Zumindest für einen kurzen Blick auf Kleinbardorfs reizvolles Wasserschloss nahm sich die stattliche Gruppe Zeit, die von Waltraud Kleinert begrüßt und geführt wurde. Mit den originellen Kunstinstallationen um das Schloss ist Kleinbardorf ein interessantes Ziel am 10. September 2006, dem Tag des offenen Denkmals, der unter der Überschrift „Rasen, Rosen und Rabatten“ Schlossparks mit weitläufigen, gepflegten Anlagen einbezieht.
Im Hof zwischen der Synagoge und der alten jüdischen Schule berichtete Kreisheimatpfleger Reinhold Albert (Sternberg) aus der Geschichte der beiden Bauten. Eigentümer Alfred Hofgesang erlaubte großzügig die eingehende Besichtigung.
Durch einen Vorbau zur Straßenseite sowie einen Scheunenanbau äußerlich kaum noch als ehemalige Synagoge erkennbar, sind an der überbauten Eingangsseite das alte Portal mit Treppenvorbau und vermauerte Rundfenster erhalten, außerdem das Fenster in Gestalt eines Davidsterns über dem Eingang und die veränderten Rundbogenfenster an den Seitenwänden. Während die Nische für den Thoraschrein abgebrochen wurde, blieben die Frauenempore und das hölzerne Tonnengewölbe weitgehend unberührt.
Auch die jüdische Schule mit Lehrerwohnung ist erhalten. Ihr wurde ein moderner Garageneinbau zugefügt.
Das dritte, besonders beeindruckende jüdische Relikt ist der Jüdische Friedhof mit 4400 Grabsteinen auf dem als Judenhügel bekannten Wartberg.
Nicht nur vier Pferde, auch die zupackenden Hände der Trauergäste waren nötig, um den Leichenwagen hinauf zu bringen, wusste Reinhold Albert auf dem Friedhof nach schweißtreibendem Aufstieg zu berichten. An Stelle einer keltischen Fliehburg war der Friedhof 1574 angelegt worden –mit 21.050 qm einer der größten Judenfriedhöfe Bayerns. Mit einem Zaun umfriedet, ist der Friedhof jederzeit zugänglich, da er von einem Wanderweg durchquert wird.
Der Maurer Erwin Hermann, der sich um den Erhalt des Friedhofs verdient gemacht hat, richtete aus dem Schutt die Tahara-Halle von 1696 wieder auf, ein Stein gedecktes Haus zum Waschen der Toten.
In Sulzfeld begrüßte Bürgermeister Anton Joachim die Gruppe an der 2003 fertig gestellten Schule und der Höhberghalle (1993). Gemeinsam mit Landschaftsarchitektin Marion Ledermann zeigte er die neuen Außenanlagen und überzeugte bei der Führung durch den Ortskern mit Besichtigung der katholischen Pfarrkirche St. Bartholomäus von der bemerkenswerten Gestaltungs- und Baufreude in Sulzfeld.
Bei der Diskussion mit Waltraud Kleinert im 2005 fertig gestellten neuen Pfarrheim kam die Hoffnung zum Ausdruck, das Ensemble aus Synagoge und jüdischer Schule in Kleinbardorf durch einen Förderverein bewahren zu können. Dabei möchte sich auch die Frauen-Union beteiligen. Das sprach Vorsitzende Johanna Saal-Unsleber unter dem Beifall der Gruppe aus.
Giesela Sendner